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Samstag, 12. Oktober 2019, 00:03

[Chasteau de Dourdan] Am Hofe Hugos des Großen

Es war ein kühler und regnerischer Tag im Herbst des Jahres 952 nach Christi Geburt. Herzog Hugo der Große kehrte gerade nach einer ausgedehnten Jagd mit seinen Höflingen in sein Château in der Stadt Dourdan zurück, die etwa zwischen Paris und Chartres lag und die Residenzstadt des Dux Francorum war.


Hugo der Große, Dux Francorum, Duc de Bourgogne et d'Aquitaine

Der Herzog von Franzien, wie man ihn nannte, war wohl der eigentliche Machthaber im Westfrankenreich: ihm unterstanden nicht nur weitläufige Gebiete im Norden Westfrankens, sondern er war auch ebenso Herzog der Bourgogne sowie von Aquitanien. Letzteres jedoch nur nominell, da er trotz einiger militärischer Unternehmungen gegen den eingesessenen Adel die Anerkennung seiner Oberhoheit als Lehnsherr nicht verwirklichen konnte. Aber auch so war die Macht der Robertiner, seiner Dynastie, in Westfranken nicht zu unterschätzen. Schon mehrmals stellten Mitglieder seiner Familie die Könige, doch vor die Wahl gestellt, selbst den Thron zu ergreifen oder im Hintergrund die Fäden zu ziehen, entschloss man sich zu Letzterem. Seitdem regiert mit Ludwig IV. ein schwacher Vertreter der ebenso schwächlichen Dynastie der Karolinger. In den meisten Beschlüssen des Königs war stets ausdrücklich die Rede von dem Rat seines doch so engen und geschätzten Freundes, des Dux Francorums, dem zweitem Manne hinter ihm. Doch hinter dieser Fassade, diesem Theater, wusste ein jeder, dass es Hugo war, der die wichtigsten Beschlüsse herbeiführte und forcierte, dass er die Graue Eminenz, der Strippenzieher war. Auch wenn die Beziehung zwischen Hugo und Ludwig IV. bisweilen kriselte, hatte sie sich doch in letzter Zeit beruhigt und stabilisiert. Nach einigen früheren Auseinandersetzungen hatte man sich wieder vertragen; der König hatte ihn gar offiziell noch mit den Herzogtümern Burgund und Aquitanien belehnt, auch wenn Letzteres immer noch aufmüpfig war.

Trotz dieses unschönen Umstandes jedoch war Hugo einigermaßen zufrieden. Die Niederlage seines Verbündeten Ottos, den er im Kampf gegen die Griechen mit einigen Truppen unterstützt hatte, verstimmte ihn zwar, aber von diesem Rückschlag ließ er sich nicht lange aufhalten, sondern im Gegenteil: Er beabsichtigte gar, Schritte auf die Griechen zu zu machen und eine günstige Eheverbindung seiner Tochter Euphrasie zu arrangieren, für die es ja auch langsam Zeit wurde, eine gute Partie zu ehelichen.

Nachdem der Duc bei den Stallungen von seinem Pferd abgestiegen und mit seinen Begleitern in die Zitadelle Dourdan geeilt war, um der kühlen Nässe zu entfliehen, nahm er an einem reich gedeckten Tisch inmitten seines Châteaus platz. Heute Abend würde getrunken, gespeist und gefeiert. Die Feuer brannten, Spielleute spielten einige Chansons und ein guter Braten wurde aufgetischt, den der Herzog sodann mit seinen lieben Vasallen und Rittern verspeisen würde. "Sprecht doch ein Gebet bevor wir zur Tat schreiten, mein lieber Gerlair. Ihr wisst schon...um der Pflicht Genüge zu tun", wandte sich der Herzog zu einem älteren Herren, der neben ihm saß. Es handelte sich um Gerlair, Erzbischof und Metropolit von Sens, dessen Sprengel zum größten Teil in dem von Hugo beherrschten Landen lag.


Gerlair, Erzbischof und Metropolit von Sens

"Sehr wohl, Euer Gnaden." Erzbischof Gerlair war ein loyaler Gefolgsmann des Duc und wusste um dessen Macht; derselbe Herzog konnte zwar - wenn er wollte - umgänglich sein, wenn es aber um seine Macht ging zeigte er sich kompromisslos: so war er sogar imstande, Bischöfe abzusetzen wie einst den armen Erzbischof Artold von Reims, der damals in einem Zwist eher dem König zugeneigt war. "Oh Herr, segne Uns alle, vor allem aber deinen lieben Sohn Hugo, dem du langes und fruchtbares Leben schenken mögest, und mit uns allen auch alle diese Gaben, die wir aus deiner väterlichen Hand empfangen. Amen". Gerlair wollte noch ein Kreuzzeichen mit der Rechten schlagen, um den Segen zu bekräftigen, doch schon beim Amen langte die hungrige und von der Jagd erschöpfte Hofgesellschaft wild zu und stürzte sich erbarmungslos auf die Speisen. Derlei war man aber gewohnt im Frankenreich. Auch Gerlair speiste sodann ordentlich. Der alte Mann war eher etwas zurückhaltend in seiner Art, hatte aber dem Duc eine wichtige Nachricht zu übermitteln. Von einigen Bekannten aus Rom hatte er Kunde erhalten: Der Kardinalbischof von Albano und einige Brüder wollten gerne für eine Weile die Gastfreundschaft im Herrn in seiner Diözese genießen. Es hieß nur, dass die Situation in Rom aufgrund kriegerischer Auseinandersetzungen mit den Bulgaren gefährlich werden könnte und sie alle ohnehin einmal Urlaub und Erholung von der ewigen Stadt brauchten. Der Herzog hörte gerade sichtbar erfreut den Spielleuten zu und genoss sein Mahl. Gerlair tat sich schwer bei dem Gedanken, den darin vertieften Herzog zu stören, gab sich dann aber einen Ruck. "Monseigneur, ich wollte Euch nur mitteilen, dass wir bald Besuch aus Rom erwarten könnten.“


"Vrayement? Wer wird uns denn so weit hier oben beehren, mein werter Gerlair?" Besuch aus dem Süden schien unerwartet, da so etwas ohnehin meist über die offiziellen Wege beim Hof des Königs ablief, der wohl eher für diesen zeremoniellen Kram zuständig war. "Ein paar Herren Kardinäle, die die Gastfreundschaft unter apostolischen Brüdern erbeten. Ihr wisst doch, Seigneur: Die Bulgaren bedrohen zurzeit Italien..." Gerlair konnte seine Worte gar nicht ganz aussprechen, da fiel ihm der Duc ins Wort. "Soso, die feinen Herren Priester wollen also flüchten?" Typisch Pfaffen, Reden konnten sie viel, ein Oremus nach dem anderen, aber die Kämpfe ließen sie andere austragen. Der Herzog reagierte eher ungehalten. "Mais, Monseigneur, sie sind doch gesalbte Bischöfe, Brüder im Apostelamt, Männer des Friedens und Gebets." Gerlair wollte seine Brüder vor diesen Anschuldigungen verteidigen. Was sollten sie auch tun? Geistlichen war es verboten, Waffen zu führen. Ein Schicksal wie jenes der Geistlichen von Aquileia wollte er ihnen ersparen, wenn sie schon anfragten. "Des weiteren wollen sie sich wohl ein wenig erholen hier im Norden bei guter Luft, Rekreation und Kur!" Der Herzog blickte genervt zu Gerlair, aber irgendwie schätzte er den alten Mann und gab klein bei. Was war auch schon so schlimm dabei, ein paar Kleriker zu beherbergen, wo es darüber hinaus eigentlich ohnehin Gerlairs Sache war. "Hm…", Hugo riss ein großes Stück gebratenes Fleisch von seinem Teller und leckte sich die Finger. "Na gut, es ist ohnehin deine Sache, mein lieber Gerlair. Ich zahle aber für nichts! Diese Römer sind immer so anspruchsvoll, leben aber selbst im größten Drecksloch! Demnächst können wir hier noch einen Kurort eröffnen für die armen Pilger, die siechend aus der Cloaca Maxima flüchten, was?!" meinte er witzelnd und laut lachend zu seinen Rittern, während einige Fleischstücke aus seinem Mund flogen. "Sieht es für die Griechen wirklich so schlecht aus da unten?", fragte er dann noch den Alten. Er musste an seine Tochter Euphrasie denken. Aus der verhandelten Eheschließung ist bisher nichts geworden. Wenn die Griechen es vermasseln sollten, könnten sie in Gefahr geraten. Trotz seines nicht ganz so innigen Verhältnisses zu Euphrasie kamen ihm einige Sorgen. "Dazu kann ich nicht viel sagen, Seigneur. Ich kenne mich schlicht nicht aus", meinte Gerlair. Er kannte sich mit der politischen Lage ja tatsächlich nicht so aus, war eher ein Mann des Gebets. "Sobald die Gäste eingetroffen sind, werde ich mehr darüber in Erfahrung bringen und Euch informieren", versicherte er seinem Herren. "Bon, bon! Nun langt aber auch ordentlich zu, Gerlair!" Hugo legte ihm ein dickes Stück Schweinebraten auf seinen Teller. "Lauter, Spielleute, wir sind hier nicht auf einer Beerdigung!" Der Herzog liebte die Gelage mit seinen Vasallen und dazu gehörte eben auch gute Musik. So zog es sich noch eine ganze Weile, ehe die Diener dann abräumten und die Feuer im Festsaal der Burg Dourdan löschten.

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Samstag, 12. Oktober 2019, 02:39


Hugo der Große, Dux Francorum, Duc de Bourgogne et d'Aquitaine

Herzog Hugo hatte sich – wie üblich bei solch festlichen Gelagen mit seinen Rittern – köstlich amüsiert. Er war satt gegessen und hatte im Verlauf des Abends sicherlich so einige Humpen Bier geleert, die er aber im Gegensatz zu vielen seiner Gäste ob seiner Statur und Größe noch locker vertragen konnte. Von seinen Rittern lagen nämlich so einige am Ende des Abends volltrunken auf den Tischen oder auch in den Gängen der Burg. Im Vorbeigehen lachte der Herzog köstlich über diese Anblicke größter Bierseligkeit. Er selbst wünsche sich jetzt nichts sehnlicher als die Wärme seines Bettes und seines Eheweibs. Er verabschiedete sich von den letzten noch stehenden Gästen, zu denen auch Erzbischof Gerlair gehörte, und machte sich auf den Weg Richtung herzogliches Schlafgemach. Es dauerte nicht lange bis er dort ankam. Das Zimmer war noch hell erleuchtet und das Feuer im Kamin brannte. Sein liebes Eheweib fand er auf einem Stuhl vor dem Kamin sitzend. "Ah! Wo ist mein liebstes Eheweib?", tönte es laut und unüberhörbar. Man merkte dem Herzog seinen angetrunken Zustand wahrlich an.


Herzogin Hadwig von Franzien, Schwester König Ottos

Bei der Ehefrau Hugos des Großen handelte es sich um Hadwig von Sachsen, Tochter Heinrichs I. und Schwester König Ottos von Ostfranken. Im Jahre 938 wurde sie mit dem Herzog von Franzien vermählt, der davor bereits zwei Ehen geführt hatte. Aus einer dieser früheren Ehen entsprang auch seine Tochter Euphrasie, der er nach Byzanz verheiraten wollte; sonst blieben die früheren Ehen kinderlos. Im Gegensatz zu seinen vorherigen Ehefrauen hatte ihm Hadwig fünf Kinder geschenkt: zwei Mädchen und drei Jungen. Damit war die Linie Hugos im Mannesstamm – sehr zu seiner Freude – gesichert und der Herzog hielt entsprechend große Stücke auf seine Hadwig. "Das Gelage ist schon zu Ende? Mit dem Alter lasst Ihr wohl nach, mein Gemahl“, meinte sie scherzhaft. Die Herzogin war gerade dabei, auf ihrem Stuhl vor dem Kamin ein Kirchenbanner für den bevorstehenden Feiertag der Heiligen Katharina zu stricken, auf dem die heilige Märtyrerin detailliert dargestellt werden sollte. Sie gab sich dabei einige Mühe, denn sie konnte sich eines prominenten Platzes für das Banner in der Kathedrale sicher sein und darüber hinaus war es ja auch eine fromme und gottgefällige Arbeit.

Der Herzog aber nahm sich dann des Banners an und legte es zügig zur Seite. "Die Heilige Katharina wird wohl noch eine Weile auf ihr Banner warten können, wo sie doch in die Ewigkeit eingegangen ist." Der Duc wollte ins Bett und sein Eheweib hatte heute selbstredend an seiner Seite zu liegen. Vor ihrem Stuhl kniend begann er - in Anlehnung an die Chansons der Spielleute, die ihm sehr gefallen hatten - ihre Schönheit zu preisen und packte sie dann, um sie anschließend aufs Bett zu legen. "Ab ins Bett mit Euch, mein holdes Weib. Es gibt da doch so einen weit verbreiteten Spruch der Deutschen, wisst Ihr: Die Woche zwier, der Weiber Gebühr, schadet weder mir noch dir, macht‘s Jahr einhundert und vier". Da Hadwig aus dem östlichen Franken stammte, sollte ihr das ja bekannt sein, so zumindest hoffte der Herzog.

"Die Woche hat ja wohl noch einen weiteren Tag", meinte die heute eher unwillige Herzogin. Der Duc hatte also am morgigen Samstag seine Chance, ehe die Woche mit dem Sonntag von Neuem beginnen würde. Heute war sie schon recht müde nach der vielen Stickerei. Einige Diener löschten dann das Licht und das herzogliche Paar lag beisammen im Bett. "Habt Ihr Eure Meinung vielleicht geändert?", fragte der Herzog noch einmal zur Sicherheit zögerlich nach. Bei Frauen konnte man ja nie sicher sein. "Hm...Lasst mich nachdenken: Nein, wohl eher nicht." Der Herzog akzeptierte schließlich resigniert sein Schicksal. "Sagt mir, Weib, belastet Euch sonst etwas? Ist es wegen Heribert?" Der Herzog schätzte seine Gemahlin sehr und er war in Sorge darüber, sie verstimmt zu haben. Sein unehelicher Sohn Heribert war bei Hadwig nämlich nicht gern gesehen, auch wenn er vor der Hochzeit empfangen wurde. Seinen Bastard Heribert hatte der Herzog heute ebenfalls zu seinem Gelage eingeladen. "Ihr wisst doch genau, dass Heribert mich nicht bekümmert, solange er den Weg zum geistlichen Stand verfolgen wird." Was sollte der herzogliche Bastard auch sonst tun? Hier am Hofe wollte ihn Hadwig auf Dauer nicht sehen, dass er am Ende noch ihren eigenen Kindern Ärger machte. "Die Sache ist besiegelt und steht fest, meine Liebe. Seid unbesorgt!" Der Weg zum ehelosen Bischof war für Heribert bereits fest eingeplant. Hugo würde vielleicht auch Erzbischof Gerlair als Mentor für seinen Bastard vorschlagen; bisher hatte er einen guten Eindruck von ihm. "Ach, ich bin nur müde, mein Gemahl. Und als Ihr die deutschen Worte sagtet... die Sache mit meinem Bruder bedrückt mich immer noch etwas." Otto hatte ja seinen Kampf gegen die Griechen verloren, war de facto nur noch ein deutscher Klein-König. "Hadwig, ich kenne den Mann. Der fängt sich wieder und gibt sich nicht dem Schicksal geschlagen, glaubt mir!" Auch Hugo war wenig erfreut über die Truppen, die er bei dieser Sache verloren hatte und die Hochzeit mit Ottos Schwester verband ihn natürlich auch mit dem Ostfranken. Aber dafür hatte er jetzt auch keinen Kopf mehr nach dem Gelage und der schönen Zeit. Jetzt wollte er nur noch schlafen. Er packte seine Gemahlin und gab ihr noch einen Kuss. Die Herzogin wurde getröstet durch die Worte ihres Mannes und war nun auch bereit, in den Schlaf zu sinken. "Schlaft wohl, Gemahl." So löschte sich dann auch das letzte Licht auf der Burg Dourdan.