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Rhomäisches Reich: Der Feldzug unter dem Namen "Unternehmen Boulgaroktonos" (Bulgarentöter) gegen den Zaren Petar I. hat begonnen.
Während der Statthalter von Skopje bedingungslos kapitulierte, läuft es in Preslaw auf eine blutige Schlacht hinaus.
Königreich Ostfranken: Der Apostolische Visitator hat einen Administrator im Erzbistum installiert. Der Erzbischof von Magdeburg wird bald nach Rom reisen.

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Donnerstag, 3. Oktober 2019, 17:17

Die Schlacht bei Preslaw (Oktober 952)

Es war soweit: Kurz nach dem Einmarsch der 18.000 Mann starken byzantinischen Hauptarmee unter dem Reichsmarschall Bardas Phokas kam es zum Feindkontakt. Die Bulgaren vermieden die sofortige Konfrontation und zogen sich vor der bulgarischen Hauptstadt Preslaw zusammen. Es war den byzantinischen Spähern gelungen, ihre Zahl auf rund 20.000 bis 25.000 Mann zu schätzen, wobei die leichte Kavallerie und die vergleichsweise schlecht ausgerüstete Infanterie das Gros ausmachte. Dem gegenüber verfügten die Byzantiner über 4.000 Elite-Kataphrakten, die gefürchtete schwere Kavallerie, die alles niedermähen konnte, was ihr im Wege stand. Gerüchten zufolge hatte Zar Petar I. persönlich den Oberbefehl übernommen, was aus Bardas' Sicht ein gutes Omen war, galt Petar doch als mittelmäßiger Feldherr, dem der Blick für das große Ganze abging. Überhaupt schien die Strategie der bulgarischen Armeeführung nicht besonders ausgereift, hatte sie doch offenbar in Windeseile alles mobilisiert, um Preslaw zu schützen, dafür aber die Städte Sredec und Skopje recht schutzlos zurückgelassen. Womöglich war den Bulgaren gar nicht bewusst, dass die Byzantiner in drei Heeressäulen einmarschierten. Der zeitgleiche Angriff durch die Kiewer Rus auf der Donau sorgte zudem dafür, dass die bulgarische Flotte vollauf damit beschäftigt war, den Fluss zu behaupten.

Preslaw lag am Übergang von der Donautiefebene zum Vorbalkangebirge und war sicherlich die stärkste bulgarische Festung überhaupt. Eine langwierige Belagerung lag daher nicht im Interesse des byzantinischen Oberbefehlshabers. Vielmehr wollte er die Entscheidung durch eine Feldschlacht erzwingen. Da der Zar im Zugzwang war und dringend Erfolge benötigte, um seine angeschlagene Autorität im eigenen Lande unter Beweise zu stellen - in etlichen Städten hatten die Bogomilen das Ruder übernommen -, musste er schleunigst liefern und somit bereit sein, sich einer Schlacht zu stellen. Taktisch klug hatten Bardas und seine Generalstabsoffiziere eine günstige Position ausgemacht, wo man dem Feind die Schlacht abringen würde. Der Zar hatte es versäumt, seinen Heimvorteil auszunutzen und sich selbst eine vorteilhafte Position zu verschaffen. Dies mochte an einer gewissen Überheblichkeit der bulgarischen Heeresführung liegen, womöglich aber auch am Überraschungseffekt, traf die byzantinische Kriegserklärung doch gerade einen Tag vor dem Erscheinen des byzantinischen Hauptheeres in Preslaw ein.

Auf einem sorgfältig ausgewählten Feldherrenhügel hatten der Reichsmarschall und der sich an seiner Seite befindliche Basileus Zenon II. einen hervorragenden Überblick über das Feld. Man hatte hier über Nacht gelagert und es dämmerte der frühe Morgen, als Bardas und Zenon Position bezogen. Die Armee war am Aufmarschieren. Die Kataphrakten der Scholen umgaben den Feldherrenhügel, während sich die leichtere Kavallerie ganz vorne positioniert hatte, dahinter die Fußtruppen, bestehend aus Infanterie und Bogenschützen. "Wenn die Sonne untergeht, wird man eine erste Entscheidung haben", meinte Phokas zum Zarides. Gerade war die Sonne indes erst am Aufgehen.

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Freitag, 4. Oktober 2019, 21:20

Inzwischen hatte man Preslaw erreicht. Späher hatten die Gegend um die bulgarische Hauptstadt bereits ausgekundschaftet und berichteten von rund 20.000-25.000 Soldaten. Dass es jederzeit mehr werden konnten, war durchaus denkbar, wenngleich die Bulgaren in diesem Krieg ihr Reich an gleich fünf Fronten verteidigen mussten: Byzanz griff von vier Richtungen aus an (zählte man das Heer aus Italien mit, dass bei Ragusa an Land gehen würde), die Kiewer Rus würden den Feind von Norden und der Donau her bedrängen. Das zweifelhafte Bündnis mit Bogomil sorgte für einen Zerfall von innen - oder zumindest für spürbare Spannungen, die den Zaren und die bulgarische Führung beschäftigen würde.

Der Reichsmarschall hatte dem Basileus auf dem Weg einige Einzelheiten über seinen Plan verraten. Zenon konnte es Romanos nicht verdenken, dass er seinem Schwiegervater den Oberbefehl gegeben hatte, wirkten die Ausführungen des Alten doch in sich schlüssig und fein ausgeklügelt. Dass die Phokadai eine persönliche Rechnung mit den Bulgaren zu begleichen hatten, war zwar ein Risikofaktor, doch war Zenon nicht allzu beunruhigt darüber, dass der Verlust des eigenen Sohnes das Urteilsvermögen des Reichsmarschalls beeinflussen könnte.

Früh am Morgen hatte sich die Heeresführung gemeinsam mit dem Basileus und dem alten Phokas auf dem Feldherrenhügel versammelt. Hier in der Donautiefebene war das Wetter deutlich rauer als zuhause am Bosporus. Ein kalter, trockener Wind blies von Norden her über die karge Landschaft und fühlte sich unangenehm auf der Haut an. Zenon richtete den Blick nach Norden in Richtung der Hauptstadt und die kühle Luft schlug ihm regelrecht ins Gesicht, sodass er die Augen ein wenig zusammenkneifen musste. Er fröstelte ein wenig und spürte ein unbeschreibliches Gefühl in der Magengegend, irgendetwas zwischen Nervosität, Aufregung, Freude und Angst. Letzten Endes war er eben kein Militär und sozusagen als Zuschauer mittendrin. Während die Soldaten aufmarschierten und ihre Stellungen bezogen, Offiziere verschiedene Befehle bellten und Waffen ein letztes Mal überprüft wurden, fragte Zenon sich, ob sich die Soldaten auch so fühlten. Viele von ihnen waren kampferprobt, erfahrene Eliteeinheiten; allen voran die Kataphrakten, die auf dem gesamten Kontinent gefürchtet wurden. Dann dachte der Basileus an die ganzen anderen, jungen Männer, die ihm während ihrer Reise hierher aufgefallen waren. Nicht wenige von ihnen durften gerade mal volljährig sein. Wie es ihnen wohl erging? Im Vergleich zu den alten Hasen waren sie wohl kaum mehr als Kanonenfutter, ein Opfer, das der Krieg eben nun einmal einforderte. Wie viele von ihnen würden heute ihr Leben lassen?

Der Reichsmarschall trat neben Zenon. Seine Stiefel gruben sich tief in den feuchten Boden, denn die Tage zuvor hatte es oft geregnet. Auch heute war der Himmel von dunklen, schweren Wolken behangen und kündigten an, was der Tag erwartet würde. Leichter Nieselregen setzte ein.

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Sonntag, 6. Oktober 2019, 01:14

Entgegen mancher Bedenken hatte sich Zar Petar I. dazu entschlossen, selbst den Oberbefehl über die Armee zu übernehmen. Es stand viel auf dem Spiel, stand der Zar doch im Zugzwang und musste sich gegen Bedrohungen im Inneren wie im Äußeren behaupten. Seine Position war angeschlagen. Erste Stimmen wurden laut, die ihm Untätigkeit vorwarfen. Seit immerhin einem Vierteljahrhundert regierte er nun über Bulgarien. Wenn man ehrlich war, war das Land seither stagniert, zunächst kaum merklich, in den letzten Jahren jedoch spürbar. Obwohl er kein großer Krieger war, setzte sich Petar also an die Spitze der Armee, begleitet von seinem ältesten Sohn und Thronfolger Plenimir, einem weitaus besseren Soldaten, den der Vater aber argwöhnisch beäugte und Grund sah, einen seiner beiden anderen Söhne zu bevorzugen.

Die bulgarische Armee, insgesamt 22.500 Mann stark, hatte Position bezogen, um eine Einnahme der Hauptstadt Preslaw zu vereiteln. Die byzantinische Hauptarmee, zahlenmäßig unterlegen, war weitestgehend ohne Widerstand bis hierher vorgestoßen. Des Zaren Plan setzte alles auf eine Karte, nämlich hier die Entscheidung zu suchen und die Byzantiner wieder aus dem Lande zu werfen, wie es den Bulgaren in der Vergangenheit schon oft gelungen war. Und doch war die Stimmung im Heer getrübt. Die Generalität traute der Führungsrolle des Zaren nur bedingt über den Weg, auch wenn es bislang niemand offen aussprach.


Zar Petar I. von Bulgarien

"Nun denn, mein Sohn, heute werden wir diesen Griechen eine saftige Lektion erteilen, da sei dir gewiss", grinste der Zar in Richtung Plenimirs und war sich seiner Sache sicher.


Prinz Plenimir von Bulgarien

"Was du nicht sagst, Vater. Wandelst du neuerdings wahrlich auf Großvaters Spuren?" Er konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. Simeon der Große, ja, das war ein Zar gewesen, wie ihn sich Plenimir vorstellte. Er ging stark nach dem Alten und kritisierte das Zauderhafte seines Vaters seit Jahren. "Fühlst du dich Bardas Phokas wirklich gewachsen? Nur weil sein Heer kleiner ist, haben wir den Sieg noch längst nicht gepachtet."


Zar Petar I. von Bulgarien

"Schweig still! Noch bin ich Zar, das lass dir gesagt sein. Ich dulde keinen Widerspruch!", zürnte der Zar und knirschte mit den Zähnen.


Prinz Plenimir von Bulgarien

"Ja - noch." Vieldeutig erwiderte der Prinz das Gesagte und schien seinen Erzeuger mit dem eigenen Blick zu durchbohren. "Ein Wahnsinn, das ganze Land ungeschützt zu lassen, um hier den großen Zampano zu geben." Er schüttelte den Kopf und seufzte.


Zar Petar I. von Bulgarien

Ohne den Sohn weiter zu beachten, rief Petar in Richtung seiner Generale: "Formation einnehmen! In einer halben Stunde will ich kampfbereit sein!"

So tat man, wie der Zar geheißen, und die bulgarische Armee gab nochmal ihr Bestes, um an die glorreichen alten Zeiten anzuschließen, in denen sie die Byzantiner fast mühelos auf dem Felde der Ehre massakriert hatte. Und doch war heute einiges anders. Das konnte man den Gesichtern der Offiziere, aber auch der einfachen Männer ablesen. Wirkliche Überzeugung sah anders aus.

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Samstag, 12. Oktober 2019, 17:09

Der Nieselregen machte Bardas Phokas mehr Sorgen als das nominell größere bulgarische Heer, drohte doch, wenn der Boden des Schlachtfeldes aufweichte, eine Beeinträchtigung der Kataphrakten, der schweren Kavallerie und byzantinischen Geheimwaffe. Von daher musste man sich sputen. Solange es nur nieselte, ließ sich das Risiko abschätzen. Setzte indes plötzlich Starkregen ein, konnte das desaströs sein. Kein Wunder also, dass der Reichsmarschall den Angriffsplan vorverlegte. War zunächst keine Attacke vor der Mittagszeit geplant gewesen, drängte er im Generalstab nunmehr auf 9 Uhr. Dies bedingte etwas Hektik bei den Byzantinern, doch war man professionell genug, der Order nachzukommen. Er, Bardas, würde diesmal nicht an vorderster Front kämpfen. Vor wenigen Tagen hatte er seinen 74. Geburtstag begehen können, was es ihm ratsam erscheinen ließ, die eigenen körperlichen Kräfte nicht unnötig auf die Probe zu stellen. Unter den Generalen des Reiches gehörte er zum ganz alten Eisen; allenfalls irgendwo in der Provinz gab es einen noch betagteren. Auf dem Feldherrenhügel hatten sich der Basileus Zenon II. und er positioniert. An ihrer Seite standen einige Generale und Generalleutnants, welche die einzelnen Truppenverbände befehligen würden.

"Bogenschützen!", erklang die Stimme des Generalissimus und er blickte auf das Feld, auf dem in Kürze das Abschlachten losgehen würde. Traditionell eröffnete er die Schlacht mit ein paar Salven der Bogenschützen, um erste Panik beim Gegner aufkommen zu lassen. Dies hatte einen vornehmlich psychologischen Effekt, sah er es doch als nicht besonders ehrenvoll an, die Schlacht auf Distanz zu entscheiden. Sogleich gingen die Schützen also in Stellung und warteten den Angriffsbefehl ihres Generals ab. Sie hatten Brandpfeile eingelegt, was seine Wirkung nicht verfehlen sollte. "Feuer freigegeben!", meinte der Reichsmarschall schließlich zu demjenigen General, der sogleich den Befehl zur Attacke gab.

Binnen weniger Sekunden flogen tausende Pfeile im hohen Bogen durch die Luft und waren weithin sichtbar, da sie brannten und Rauchwolken hinter sich herzogen. Gefühlt dauerte es eine Ewigkeit, ehe sie ihr Ziel erreichten, die vordersten Reihen des bulgarischen Aufgebots. Trotz der Entfernung konnte man das Aufschreien und Jammern der Bulgaren hören, die entweder tödlich getroffen oder zumindest verletzt worden waren. Nüchtern und ohne Gefühlsregung starrte Bardas Phokas auf das Feld, wo sich ein erstes Wanken der bulgarischen Infanterie erzeigte, die ganz vorn positioniert war.

"Kavallerie!", rief er nur Augenblicke danach. "Schickt die Kataphrakten ins Feld." Gesagt, getan. Die schwere Reiterei musste jetzt, wo der Boden noch fest genug war, zum Einsatz kommen. Sie würde Furcht und Schrecken bereits bei ihrem Heranpreschen verursachen, war sie doch imstande, jede noch so gute Verteidigungslinie zu durchbrechen. Vielleicht wäre ihr Einsatz bereits schlachtentscheidend, ergriff doch so manches feindliche Heer bereits bei ihrem Anblick die überstürzte Flucht. Wenig später schritten die schwer gepanzerten Reiter zunächst ganz nach vorne innerhalb der byzantinischen Armee, wo ihnen die Infanterie und die leichte Kavallerie Platz machte. Dann beschleunigten die Kolosse langsam, aber unaufhaltsam und rollten wie schwere Dampflokomotiven heran. Die Erde bebte spürbar, ein Erlebnis, das Bardas immer wieder stimulierte, so oft er es in seinem Leben auch schon mitgemacht hatte, oft selbst an der Spitze der Reiterei. In wenigen Momenten würden die Kataphrakten mit dem bulgarischen Heer zusammenprallen. Die Anspannung war unverkennbar.

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Samstag, 12. Oktober 2019, 17:21

Die halbe Stunde, die sich Zar Petar erbeten hatte, bekam er nicht, da die Griechen unerwartet schnell zum Angriff übergingen und die Schlacht ihrerseits eröffneten. Damit nahmen sie dem bulgarischen Zaren die Initiative, was für einige weitere Verstimmung sorgte. Der Thronfolger nahm kein Blatt vor den Mund und sprach aus, was wohl einige dachten.


Prinz Plenimir von Bulgarien

"Da hast du deine halbe Stunde, Vater: Die Griechen haben die Schlacht eröffnet!" Wenige Sekunden später krachten die Brandpfeile auch schon in die vorderen Reihen der bulgarische Armee. Nur mit Mühe konnte die Ordnung aufrechterhalten werden. "Verdammt nochmal, so wird das nichts!", schimpfte Plenimir genervt und schüttelte energisch mit dem Kopf. Da bemerkte er, wie die Kataphrakten nun ebenfalls zum Angriff übergingen. "Wo ist unsere Verteidigung?!", bellte er seinen Vater an. "Die mähen uns nieder wie Gras!"


Zar Petar I. von Bulgarien

Auch der Zar merkte, dass sein Plan nicht so richtig aufzugehen schien. Irgendwie ging alles drunter und drüber. "Reiß dich zusammen!", befahl er Plenimir, um die eigene Autorität ringend. "Werft die Kavallerie nach vorn, na wird's bald!", zischte er in die Richtung der Kommandeure. "Du führst sie an!", rief er in die Richtung seines ungeliebten Sohnes. Sollte der sich doch nun in der Praxis bewähren.


Prinz Plenimir von Bulgarien

"Jawohl ... Hoheit", knirschte er mit den Zähnen und war doch irgendwie froh, nun endlich selbst etwas tun zu können, um ein Fiasko abzuwenden. "Reiterei! Mir nach!", brüllte er wie von Sinnen und preschte in vollem Galopp nach vorne. Derart angespornt, folgten ihm die bulgarischen Kavalleristen bedingungslos. Sie wollten sich nicht frühzeitig geschlagen haben.

Die bulgarischen Fußtruppen hatten ihre liebe Not, der eigenen Kavallerie auszuweichen, die an ihren vorbei galoppierte. Mit einem energischen Führer wie Prinz Plenimir konnte sich die Sache durchaus nochmal zu Gunsten der Bulgaren entwickeln. Die bulgarische und die byzantinische Kavallerie näherte sich nun gegenseitig im Affenzahn und würde wohl in etwa in der Mitte des Feldes aufeinandertreffen. Die Schlacht hatte so richtig begonnen.